Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, nannte den Wechsel zu T+1 bei einer Veranstaltung des EU T+1 Industry Committee am 29. Oktober 2026 als Teil einer umfassenderen Modernisierung der europäischen Finanzinfrastruktur. Die kürzere Frist bedeutet, dass Käufer ihre Wertpapiere einen Tag nach dem Geschäft erhalten und Verkäufer dann bezahlt werden. Nach Cipollone kann ein kürzerer Abwicklungszeitraum Markt- und Gegenparteirisiken verringern.
Der Umstieg soll zugleich dazu beitragen, Abläufe nach dem Handel stärker zu standardisieren und zu automatisieren. Cipollone zufolge müssen Prozesse, die unter T+2 noch mit längeren Fristen funktionierten, an den engeren Zeitplan angepasst werden. Effizientere Abläufe könnten grenzüberschreitende Kapitalbewegungen erleichtern und den Zugang zu europäischen Märkten unterstützen. Die EZB, die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde und die Europäische Kommission unterstützen die Vorbereitungen.
Für die technische Abwicklung ist unter anderem TARGET2-Securities (T2S) relevant. Die Plattform des Eurosystems ermöglicht den gleichzeitigen Austausch von Geld und Wertpapieren in Zentralbankgeld. Sie wickelt laut Cipollone bereits erhebliche Volumina mit T+1 und sogar T+0 ab. Das Eurosystem plant dennoch Anpassungen an T2S, darunter Änderungen am nächtlichen Abwicklungsprozess. Diese sollen im Juni 2027 erfolgen, vor dem Wechsel des Marktes im Oktober desselben Jahres.
Cipollone verwies außerdem auf Distributed-Ledger-Technologie und Tokenisierung als Möglichkeiten, Wertpapiertransfers nahezu unmittelbar abzuwickeln und verschiedene Finanzprozesse in einer gemeinsamen digitalen Umgebung zusammenzuführen. Die T+1-Umstellung ist jedoch der konkrete nächste Schritt: In den kommenden Monaten sollen Umsetzung und Tests weiter vorankommen. Die EZB will dabei mit Marktteilnehmern und europäischen Behörden zusammenarbeiten.
